Verräterhaus Groß Stresow

Das Verräterhaus zu Stresow

Das Verräterhaus in Groß Stresow auf der Insel Rügen Groß Stresow ist ein kleines Dorf, unmittelbar an der Stresower Bucht des Greifswalder Bodden gelegen und ist in die Geschichtsanalen der Insel eingegangen. Der 1381 erstmals erwähnte Ort war im 16. Jahrhundert im Besitz der Familien von Bohlen bzw. von der Osten, und wechselte 1603 an das Haus zu Putbus bis zur Enteignung.
Das kleine Dorf hat eine ganz besondere historische Bedeutung für Rügen und ganz Deutschland. Von seinem Strand aus vollzog sich 1715 die preußisch-dänische Seelandung, die der Schwedenherrschaft nach 177 Jahren ein Ende setzte. Zum Gedenken an diese Schlacht wurde von dem Preußenkönig Friedrich Wilhelm IV. 1855 auf dem Berg oberhalb von Groß Stresow eine der Preußensäulen mit der überlebensgroßen Statue des preußischen Königs Friedrich Wilhelm I. errichtet.

Hintergrund

Die Legende um das Stresower Verräterhaus geht auf das Jahr 1715 zurück. Im Nordischen Krieg startete Friedrich Wilhelm I. von See aus einen Feldzug gegen die Schweden. Er ging mit dem Heer in Groß Stresow an Land und besiegte die Schweden. Deren Regentschaft wurde in der Folge für fünf Jahre unterbrochen. Die Dänen übernahmen das Zepter auf der Insel Rügen. Der Überlieferung nach soll der Stresower Johann Meußling am 15.11.1715 dafür gesorgt haben, dass die vom Preußenkönig geführte Flotte sicher den Weg durch das tückische Boddengewässer gefunden hat und genau wusste, wo die Truppen an Land zu setzen waren. Meußling soll auf dem Dach seines Hauses in leichter Hanglage ein großes weißes Tuch aus Bettlaken gespannt haben. Auf das steuerte die Armada des Preußenkönigs zu.

Figur vor dem Verräterhaus in Groß Stresow auf der Insel Rügen Auch wenn das Original-Verräterhaus vor rund 30 Jahren abgerissen wurde, so bleibt doch jene Überlieferung erhalten, die vom „Verräter“ Jochen Meußling erzählt. In dem neuem, 2013 mit Fachwerk und dem mit Rohr gedecktem Spitzdach, rekonstruiertem Verräterhaus wollen die geschichtsbewussten Stresower den Gästen und Einheimischen der Insel Rügen künftig ihre Geschichte in einer Ausstellung zeigen. Das im Stile eines Rügenchen Rauchkaten mit quadratischem Grundriss erbauten Gebäudes mit seiner musealen Funktion, soll zukünftig auf die historischen Bedeutung des Ortes hinweisen, aber auch als Versammlungsraum der Stresower Orts- bzw. Dorfgemeinschaft genutzt werden.
Auf dem Grundstück des heutigen Museums steht seit 2014 die Original Statue des preußischen Königs Friedrich Wilhelm I..

Ein Gedicht von Anna Rink, veröffentlich in einem Heimatkalender.
Sie drückt die Meinung des Volkes aus.

Es liegt ein Haus am Strande,
um das die Dornen steh´n,
Vom ärmlichen Gewande,
ist nur das Dach zu seh´n.

Gestrüpp verdeckt die Fenster,
man ahnt ihr Dasein kaum,
Als hausten da Gespenste,
im alten, öden Raum.

Einst gab vom Dach aus Kunde
Dem Feind man auf dem Meer,
daß in der Bucht zur Stunde
die Landung möglich wär.

Verrat am eigenen Lande
Verübt um Judaslohn!
Verrat! Du Wort voll Schande
Sprichst Heimattreue Hohn!

Und wenn´s den Täter reute,
das löscht die Schmach nicht aus:
Mit Fingern zeigt´s noch heute
Man aufs Verräterhaus.