Waldpark Semper

Waldpark Semper in Lietzow auf der Insel Rügen

Der Waldpark Semper in Lietzow auf der Insel Rügen
Der Waldpark Semper bei Lietzow ist ca. 38 ha groß und ist Bestandteil der Semper Heide. Er wurde mit dem Bau des Schlosses um 1920 angelegt. Besonders sehenswert sind in dem Park der historische Wasserturm, die Kaskadenteiche, der Hexenwald mit den Süntelbuchen, der ehemaliger Tennisplatz, eine kunstvolle Mauer aus einheimischem Feuerstein und mehr als 100 Jahre alte Eichen. Darüber hinaus hat man vom Hochuferweg einen eindrucksvollen Blick auf den Großen Jasmunder Bodden. Im Hintergrund sieht man die Freilichtbühne Ralswiek, auf der jährlich in den Sommermonaten die Störtebeker-Festspiele stattfinden.

Schloss Semper

Das Schloss Semper wurde von 1963 bis 1990 mit den Nebengebäuden als Ausbildungsstätte und Erholungsheim für Polizisten genutzt. Heute ist es in privatem Besitz.

Historischer Wasserturm

Mit dem Bau des Schlosses Semper um 1920 wurde auch eine Wasserversorgung notwendig. Daher wurde ein Wasserturm auf der höchsten Stelle im Park gebaut. Um dieses Bauwerk in das natürliche Umfeld des Waldparks Semper zu integrieren, wurde die Fassade des Wasserturmes aufwändig mit Feldsteinen verblendet, so dass dieser Turm den Anschein einer mittelalterlichen Ruine erweckt. Er war noch bis in das Jahr 1953 in Funktion. Mit der Restauration des Waldparks wurde die stark beschädigte Fassade wieder hergestellt und das Umfeld vom Unterholz befreit und ist heute nur eine malerische Ruine für schöne Fotoaufnahmen.

Die Kaskadenteiche im Waldpark Semper in Lietzow auf der Insel Rügen

Die Kaskadenteiche

Die Kaskadenteiche fangen das Niederschlagswasser der umliegenden Höhen auf. Im oberen Kaskadenteich gibt eine kleine Insel mit zwei ca. 100jährigen Eichen, zu der eine Holzbrücke führt. Der Abfluss der Kaskadenteiche erfolgt über ein Feldsteingerinne in den Großen Jasmunder Bodden. Beide Teiche haben als Amphibienlaichgewässer eine große Bedeutung. Im Zuge der Wiederherstellung des Parks, wurden mit großem Aufwand die Kaskadenteiche wieder instandgesetzt, da diese sehr stark verschlammt waren.

Der Tennisplatz

Der ehemalige Tennisplatz ist eine Rasenfläche, die den Schlossbewohnern als Sportstätte diente. Wahrscheinlich war diese Fläche einst dreiseitig von einer Flintsteinmauer auf Feldsteinsockel umrahmt. Da der Tennisplatz seit Kriegsende nicht mehr genutzt wurde, hatte sich dort eine Birken – Eschen – Hasel - Verbuschung etabliert. Die Mauerreste waren zugewachsen und die Eingangspostamente zerstört. Im Zuge der Restaurierung des Waldparks wurde ein Teil der Feld- und Flintsteinmauer wieder aufgebaut. Heute ist wieder erkennbar, mit wie viel Geschmack und unter Verwendung ausschließlich auf Rügen vorkommender Natursteine diese Parkelemente in der Semper Heide entstanden sind.

Der Hexenwald mit den Süntelbuchen

Der Hexenwald mit einer Gruppe von ca. 80 Jahre alten Krüppelbuchen ist zu jeder Jahreszeit eine Attraktion. Belaubt bilden sie ein Kuppeldach, welches einen fast undurchlässigen Regenschutz bietet. Unbelaubt sind die schlangenförmigen, mehrfach durch Knickwuchs ineinander verschachtelten Astgebilde auch von außen zu bewundern. Diese als Süntelbuche bezeichnete Buchenart ist eine außergewöhnliche dendrologische Rarität. Sie ist keine Züchtung, sondern eine sehr seltene Mutation der Fagus sylvatica var. suentelensis. Diese Ergänzung weist darauf hin, dass diese Art natürlich nur im "Süntel", einem Hochland auf dem Jurakalk nördlich von Hameln, vorkommt. Wegen ihres bizarren Wuchses werden sie im Volksmund auch Hexenbuchen genannt.

Rhododendron - Allee

Die Rhododendron - Allee an der Zufahrt zum Schloss Semper ist ein optisches Highlight, wenn im Mai – Juni die wundervolle Blütenpracht erstrahlt. Da diese wunderschöne Allee in der Vorzeit jedoch leider sehr vernachlässigte wurde, hat man in den letzten Jahren die Rhododendron - Büsche beschnitten und teilweise nachgepflanzt.

Blick vom Hochuferweg im Waldpark Semper auf der Insel Rügen

Geschichtliches

Das Gut Semper gehörte ursprünglich zu dem Besitz der Familie von Jasmund, später dann der Familie von der Osten und ab Mitte des 18. Jahrhunderts der Familie von der Lancken. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts befand sich das Gut in bürgerlichem Besitz. Von der Familie von der Lancken erwarb die Familie Lietz das Gut Borchtitz, zu dem auch das Gebiet Semper gehörte. Dr. Walter von Brüning erwarb von der Familie Lietz 1913 ca. 248 ha um Lietzow herum und den Wald an der Steilküste nach Norden. Nachdem ein vorhandenes Holzhaus abbrannte, baute er an gleicher Stelle zwischen 1916 und 1922 nach Plänen des Berliner Architekten Georg Steinmetz das heutige Haus Semper, den Marstall, das Gärtnerhaus, das Försterhaus und den kleinen Gutshof im neobarocken Stil.

Von 1963 bis 1990 wurde der Waldpark Semper und das "Schloss Semper" mit den Nebengebäuden als paramilitärische Ausbildungsstätte genutzt. Der Landschaftspflegeverband Ostrügen e.V. hat diesen Waldpark mit finanzieller Hilfe einer Brauerei von 2000 bis 2002 anhand alter Karten nach historischem Vorbild wieder hergerichtet. Im Verlauf der Arbeiten wurden zahlreiche bauliche Hinterlassenschaften der paramilitärischen Nutzung zurück gebaut, insbesondere alte Schuppen, Zäune und diverse Gebäude.
Alle Parkelemente sind mit viel Liebe und Detailtreue restauriert worden und die neu gestalteten Waldwege laden zum Flanieren ein. Im Jahr 2003 war der Waldpark Semper offizieller Außenstandort der IGA in Rostock.

Bilder - Galerie Waldpark Semper