Klaus Störtebeker

Der berühmt-berüchtigte Seeräuber Klaus Störtebeker trieb in der Ost- und Nordsee sein Unwesen. Glaubt man der Sage, wurde er auf Rügen geboren. Was von den Sagen, die sich um den Freibeuter ranken, wahr ist und was nicht, ist schwer zu trennen. Bei den Störtebeker-Festspielen auf der Insel Rügen nimmt man das nicht so wichtig: Zu den Fakten wird einiges Theatergarn hinzugesponnen.

Die Geschichte um Klaus Störtebeker

Klaus Störtebeker Nord- und Ostseeküste am Ende des 14. Jahrhunderts. Die Hanse – ein Zusammenschluss aus im Kern 70 vorwiegend deutschen Städten wie Lübeck und Hamburg, die bevorzugt Seehandel u. a. mit Pelzen, Getreide, Fisch, Salz und Wein betreiben – erlebt ihre Blütezeit.

Doch ihre Geschäfte werden immer wieder von skandinavischen Herrschern gestört, die die Hanse in Kriege und Konflikte um Handelsvorteile, Ländereien, Fischereirechte und Erbstreitigkeiten verwickeln. Zu ihnen zählt Königin Margarete I. von Dänemark, später auch Regentin von Norwegen und Schweden. Den satten Gewinn, der mit dem Handel zur See erwirtschaftet wird, teilen der Adel, die Patrizier und sogar "ehrenwerte" Kirchenmänner unter sich auf, während die große Mehrheit, das gemeine Volk, darbt und hungert. In der Unterschicht wächst der Unmut gegen Ungerechtigkeit und Unterdrückung. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis dieser Vulkan, in dem Hass und Gewalt brodeln, zum Ausbruch kommt...

Dies war die Stunde der "Vitalienbrüder" ("Vitalien" steht für Lebensmittel). Sie waren die Freibeuter der Nord- und Ostsee. Zwischen 1389 und 1392 versorgten sie beispielsweise das von Dänemark eingeschlossene Stockholm, das damals eine Stadt deutscher Kaufleute war, von See her mit Lebensmitteln. Zunächst mit "offizieller" Erlaubnis, mittels der so genannten Kaperbriefe der Hansestädte Rostock und Wismar, die es ihnen erlaubten, skandinavische Schiffe zu überfallen.

Gesetzeslose wurden sie erst, als man sie in der dänisch-mecklenburgisch-hanseschen Auseinandersetzung nicht mehr brauchte: Dänemark und die Hanse schlossen Frieden. Das, was vorher sanktioniert war, wurde also plötzlich illegal. Fortan waren Klaus Störtebeker, Goedecke Michels & Co. Freiwild. Als die Seeräuber 1398 von der Insel Gotland in der Ostsee, wo sie sich niedergelassen hatten, vertrieben wurden, verlegten sie ihr Jagdgebiet in die Nordsee, wo sie nicht nur Hansekoggen, sondern auch englische Handelsschiffe kaperten. Das war der Anfang vom Ende der Piraterie: Die Hanse machte Jagd auf die Freibeuter, stellte sie – und ließ sie vom Scharfrichter köpfen.

Für die einen also waren die Piraten der Schrecken der Nordmeere, für die anderen Helden und Sozialrebellen, die sog. "Likedeeler" (Gleichteiler), die ihre Beute mit der bitterarmen Bevölkerung teilten, als Gegenentwurf zu den herrschenden Patriziern, den "Pfeffersäcken": Gottes Freund und aller Welt Feind! Genauso gingen sie in die Geschichte ein.

Die Legende

Doch tatsächlich weiß man über sie selbst nur wenig: Das meiste ist Legende. Etwa bei Klaus Störtebeker, benannt nach seiner Fähigkeit, den Inhalt eines großen Bechers in einem Zuge hinunterstürzen zu können. Zu seinem sagenhaften Leben gehören: sein Gold, seine Herkunft, seine Piratennester, seine listenreichen Überfälle, sein Kampf gegen die Patrizier und – bestimmend für seinen Charakter – sein Draufgängertum und sein Gerechtigkeitssinn.

Die Störtebeker Festspiele in Ralswiek Angeblich marschierte der Seeräuberkapitän nach seiner Enthauptung an einigen seiner Kameraden kopflos vorbei, um sie freizubekommen. Wie vieles aus dem Leben Störtebekers, das dennoch seit über sechs Jahrhunderten Gegenstand unzähliger Bücher und Theaterstücke und heute noch jedem Kind bekannt ist. Eindeutig nachzuweisen ist allein das Datum und der Ort von Störtebekers Hinrichtung: nach derzeitiger Forschung der 21. Oktober 1400 auf dem Grasbrook in Hamburg.

Störtebeker Festspiele in Ralswiek