Die Rügener Kreide

Die Kreideküste der Insel Rügen

Rügener Heilkreide

Weiß wie die Villen der Bäderarchitektur sind auch die Kreidefelsen der Insel – das Gold der Küste. Knapp 70 Millionen Jahre ist es alt. Dort, wo jetzt Deutschlands größtes Eiland aus dem Meer ragt, gab es damals eine Meeresstraße, auf deren Grund sich im Laufe der Zeit Reste von Kleinstlebewesen abgesetzt haben. Heute wird reine Kreide in einem Tagebau im deutschlandweit einzigartigen Kreidewerk Rügen in Klementelvitz nahe Sassnitz gewonnen und verwöhnt als Rügener Heilkreide zahlreiche Wellnessgäste. Die Felsen an der Küste, das Wahrzeichen der Insel, bleiben natürlich unberührt, denn sie sind Teil des Nationalparkes Jasmund und stehen unter Naturschutz. 1910 entstanden die ersten Kreidebäder in Saßnitz auf Rügen mit deren Hilfe die Kurärzte Gäste kurierten. 1972 wurden die Kreideanwendungen vorerst eingestellt, aber seit Mitte der neunziger Jahre nahmen Hotels und Kliniken die bewährten Rezepte wieder ins Kurprogramm auf. Vermischt mit Wasser, wird die feinkörnige Kreide auf die Haut aufgetragen. Die cremige, warme Packung belastet den Kreislauf weniger als Fango und wirkt angenehm entspannend. Sanft umhüllt die geruchlose Maske den Körper, speichert die Wärme und nimmt Schlackestoffe auf. Angereichert mit Stutenmilch, Honig, ätherischen Ölen oder anderen wohltuenden Zusätzen, entfaltet die Kreide ihr ganzes Potential als natürliches Hautpflegemittel. Auf einer Ruhephase nach der Packung folgt eine Massage und das Einölen – danach ist die Haut samtig und die Seele entspannt. Neben der die Durchblutung fördernden Wirkung findet Kreide Gebrauch bei Verspannungen, Gelenkerkrankungen, Rheuma und Hautproblemen.

Weitere Informationen unter: www.heilkreide.de

Alter Kreidbruch der Insel Rügen

Kreideabbau auf Rügen

Die Kreidevorkommen der Insel werden durch den Menschen schon seit Jahrhunderten genutzt. Anfangs verwendete man die Kreide zum Kalken der Felder und zur Herstellung von Branntkalk. Im Jahre 1720 wurde ein derartiger Kalkofen am Silvitzer Ort in der Granitz bei Binz errichtet. Über 100 Jahre später begann ein neues Kapitel des Kreideabbaues und der Kreideverarbeitung. Der Gelehrte Friedrich von Hagenow gründete 1832 in Greifswald eine Schlämmkreidefabrik, die Rügener Schreibkreide industriemäßig zu Schlämmkreide verarbeitete. Die dafür benötigte Kreide lieferten die Kreidebrüche in der Stubnitz auf der Halbinsel Jasmund. Parallel dazu wurden bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts zahlreiche Kreidebrüche und -Werke in Betrieb genommen. Nahe Sassnitz in Krampas, wurde 1845 die erste Jasmunder Schlämmkreidefabrik errichtet. Bereits 1866 existierten 10 Schlämmkreidefabriken, von den sich 8 auf der Halbinsel Jasmund befanden. Der Großteil der verarbeiteten Kreide wurde zu den Häfen von Sassnitz, Polchow und Martinshafen transportiert und dort verschifft. Infolge des Kreidebooms entstanden bis Anfang des 20. Jahrhundert 26 Schlämmkreidefabriken auf der Insel und etwa 30 Kreidebrüche auf der Halbinsel Jasmund. Die Schlämmkreide wurde hauptsächlich an die großen Zementfabriken im Raum Stettin geliefert. Nach den beiden Weltkriegen existierten noch 19 Kreidewerke auf Rügen. Nach Gründung der DDR wurden diese Kreidewerke im Zuge der Verstaatlichung enteignet und stillgelegt. Seit 1962 gab es nur noch den VEB Kreidewerke Rügen in Klementelvitz mit dem Kreidebruch Wittenfelde. Gegenwärtig produziert die Kreidewerk Rügen GmbH, die seit 1993 zur Vereinigte Kreidewerke Damman KG gehört, weiterhin im modernisierten Kreidewerk in Klementelvitz unweit von Sassnitz. Die Tradition des Kreideabbaues auf der Insel lebt also weiter.

Wer mehr über die wohltuende weiße Kreide erfahren möchte, sollte sich Europas einziges Kreidemuseum in Gummanz auf der Insel ansehen, in dem von der Entstehung bis zum Abbau alle Fragen zum Thema Kreide beantwortet werden.