Der Nationalpark Jasmund auf Rügen

Nationalpark Jasmund

Der kleinste Nationalpark Deutschlands

Ursprünglich wurden die Kreidevorkommen auf der Halbinsel Jasmund im Nordosten der Insel Rügen in Kreidebrüchen abgebaut. Als im Jahre 1926 einem bereits still gelegten Kreidebruch die Wiedereröffnung drohte, wies man den Küstenabschnitt nördlich von Sassnitz kurzerhand als Naturschutzgebiet aus. 1990 wurde dieser Abschnitt dann als Nationalpark erklärt. Er ist der kleinste Nationalpark Deutschlands und gehört heute zu den schönsten in Deutschland.
Der Nationalpark, auch Stubnitz genannt ist das zusammenhängende Waldgebiet auf der Halbinsel Jasmund mit einer Größe von etwa 250 Hektar. Es erstreckt sich in Süd-Nord-Richtung von Sassnitz bis in Höhe Lohme mit einer Länge von etwa 7,5 km, grenzt in der Ostseite an die Ostsee und reicht im Westen fast bis nach Promoisel mit einer Breite bis zu 5 km. Der Baumbestand zeichnet sich mit 80% durch die flachwurzelnde Rotbuche aus. Heute stehen in der Stubnitz auf über der Hälfte der Landfläche Buchen im Alter von 80 Jahren und älter. Die nachweislich ältesten Buchen befinden sich mit über 240 Jahren nördlich des Königsstuhls in der Teufelsschlucht. Auch die höchste Erhebung der Insel Rügen befindet sich im Nationalpark Jasmund, der 161 m hohe Piekberg.

Zu Beginn des letzten Jahrhunderts taucht der Gedanke von 1892 wieder auf, die sogenannte Kreidebahn auch für den öffentlichen Verkehr zu nutzen, indem die Strecke über Nipmerow – Lohme nach Stubbenkammer verlängert werden soll. Dabei kömmt es schon zu Verhandlungen über den Ankauf des notwendigen Grund und Bodens für den Bahnbau mit dem Rat der Stadt Stralsund als Besitzer und Verpächter der Ländereien des früheren Klosters St. Annen und Brigitten zu Stralsund. Das von den Bürgern des Ortes Lohme vorgebrachte Ersuchen um den Bahnbau wird von den Behörden positiv beantwortet. Dabei bleibt es jedoch. Zu einem Bahnbau kommt es nicht.

Berühmtes Gemälde Caspar David Friedrich Bereits im Jahre 1818 verewigte Caspar David Friedrich in seinem Gemälde Kreidefelsen auf Rügen weiße Felsformationen der Gegend auf Leinwand und verhalf damit den Wissower Klinken zu weltweiter Berühmtheit. Obwohl inzwischen widerlegt ist, dass die sagenumwobenen Felsen im Nationalpark Jasmund dem Maler als Vorlage dienten, gelten sie bis zum heutigen Tage als eine der Haupttouristenattraktionen der Insel Rügen. Durch Erosion lösten sich am 24. Februar 2005 die beiden Hauptzinnen der Klinken und rutschten in die Ostsee. Nach diesem Abbruch blieb von dem ehemals beliebten Postkartenmotiv nicht mehr viel übrig.

Der Hochuferweg durch die Buchenwälder von Jasmund beginnend am östlichen Stadtrand von Sassnitz entlang der Steilküste gehört zu den beliebtesten Wanderrouten der Gegend. Viele Naturfreunde wagen zuweilen den Abstieg auf einer der hölzernen Treppen bis hinunter an das Ufer. An der gesamten Küstenlinie findet man zwischen den Ufersteinen zahlreiche Fossilien, welche von ins Meer gerissenen Bäumen und Witterungseinflüssen aus den Kreidefelsen gelöst wurden. Die Gegend gilt deswegen unter Hobby-Archäologen auf der Suche nach fossilen Versteinerungen auch als El Dorado der Ostsee.

Die Kreideküste Vor dem Steilufer zwischen Königsstuhl und Sassnitz und dem Waldgebiet Stubnitz gehört der unmittelbare Küstensaum zum Nationalpark. Der schmale Strand eignet sich hier nicht unbedingt zum Baden, aber Naturfreunde können hier Seltenes entdecken. Steine, Algen, Schalentiere und mit etwas Glück sogar den begehrten Bernstein. Etwas Vorsicht ist allerdings geboten, da Wind und Wasser ständig an den Kreidefelsen arbeiten, bröckelt ab und zu Gestein ab.

Auf dem Plateau der Insel Rügen finden sich viele interessante Wanderwege durch urtümliche Buchenwälder, über Wiesen, entlang klarer Bäche, vielen kleinen Mooren und Quellen. Zum Beispiel der Hochuferweg ist ein stetiges auf und ab. Er führt über hölzerne Treppen durch Schluchten und wieder hinauf. Zum Felsrand hin ist der Weg durch eine hölzerne Balustrade gesichert. Er bietet immer wieder schöne Blicke hinauf aufs Meer. Es lohnt sich, ein Fernglas zur Tierbeobachtung mitzuführen. Fotografen finden zahlreiche Gelegenheiten für schöne Panoramaaufnahmen.

Der Königsstuhl

Ein weiterer Höhepunkt ist der Königsstuhl mit seinem Aussichtsplateau in 118m Höhe. Die besten Bilder vom Königsstuhl selbst kann man von „Klein Stubbenkammer“ südlich des Königsstuhls aus machen. Der Königsstuhl selbst bietet einen herrlichen Ausblick aufs Meer und die unter dem Stuhl liegenden weißen Felsen. Es gibt die Gelegenheit, das Nationalpark-Zentrum Königsstuhl zu besuchen. Die 2000 km² große Ausstellung gibt einen guten Einblick in die Natur des Nationalparks.



Kartenausschnitt von ca. 1910

Stubbenkammer

Der Name soll sich aus dem slawischen Wörtern „stolpin“ = Stufe und „kamjen“ = Stein oder Fels, herleiten und muss danach für den Teil oder die Gegend in Stubnitz bezeichnet worden sein, wo die beeindruckendsten und zugleich stark zerklüfteten Kreidefelsen waren und heute noch sind. Stubbenkammer ist seit Jahren der Inbegriff für das schönste Ausflugsziel auf Rügen, das selbst weit über die Grenzen Deutschlands bekannt ist.

Eine feste bzw. markierte Abgrenzung gibt es nicht. Als Größe muss etwa ein Quadratkilometer angenommen werden.
Als nördliche Begrenzung dürfte im Uferbereich die wildromantische Teufelsschlucht bzw. der Teufelsgrund anzusetzen sein und südlich der Äser Ort, der erste schwache Vorsprung in südlicher Richtung hinter dem Steinbach. Eingeschlossen in dieser etwa einen Kilometer langen Uferstrecke sind der Bereich um Groß Stubbenkammer, d.h. vom Teufelsgrund bis zum Königsstuhl, die Golchaschlucht, und der Bereich um Klein Stubbenkammer, d.h. von der Viktoriasicht bis zum Äser Ort. Landseitig reicht Stubbenkammer bis zum Herthasee mit dem nördlich angrenzenden slawischen Burgwall, der Herthaburg. Die heutige als auch die ehemalige Gaststätte, machen den zentralen Teil der Stubbenkammer aus.

Quelle teilweise: Heinz Müller „Lohme auf Rügen – Eine Entdeckungsreise zwischen Königsstuhl und Kap Arkona“

Weitere Informationen unter: www.nationalpark-jasmund.de