Findlinge auf Rügen

Die Findlinge der Insel Rügen

Der Schwanenstein in Sassnitz um 1880
Der Schwanenstein in Sassnitz um 1880
Quelle: Sammlung Frank Biederstaedt
Auf der Ostseeinsel Rügen und in der unmittelbaren Umgebung gibt es besonders große Findlinge auf einem sehr engen Raum. Besonders durch die Meeresbrandung sind hier sehr viele Findlinge freigelegt worden, die man heute nicht nur an den Stränden der Steilküste sieht. Im Laufe der Zeit wurden viele der Findling mit einer sehr dicken Kreideschicht überlagert, die nun nach und nach weggespült wird. Durch die innere Struktur und Zusammensetzung der Findlinge kann man teilweise ihr Ursprungsgebiet bestimmen.

In der Jungsteinzeit errichteten die Menschen aus diesen Findlingen Großsteingräber, die auch auf der Insel sehr zahlreich vorhanden und vor allem sehr gut erhalten geblieben sind. Viele dieser großen Findlinge wurden bis in das 19. Jahrhundert auch als Baumaterial für Denkmäler und auch als Pflastersteine zur Straßenbefestigung verwendet. So ist auch der Schwanenstein in Sassnitz 1889 beim Bau der Mole mit eingemauert worden. Zudem benutzte man die Findlinge auch als Mühlsteine in den Mühlen. Heute gelten Findlinge als überaus erhalteswerte Naturdenkmäler.



Im Nachfolgenden finden Sie eine Kurzbeschreibung der 10 größten Findlinge Rügens.

Der Findling Buskam

1. Findling Buskam

Volumen: 600m³, davon 206m³; oberirdisch
Masse: 1.600t
Ort: Göhren (Nordstrand/östlich),
300m vom Ufer entfernt




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Der größte Findling Norddeutschlands ist der Buskam. Er hat etwa ein Volumen von 200m³ und ein Gewicht von 540t (damit wiegt er soviel wie 180 Elefanten). Der Buskam befindet sich 300m vor der Küste von Göhren in 7m Wassertiefe und ragt etwa 1,5m aus dem Wasser heraus. Am besten ist er von der Seebrücke aus zu besichtigen. Das Herkunftsgebiet ist Bornholm.
Für die Bedeutung des Namens gibt es mehrere Theorien. Der Name Buskam könnte vom altslawischen "bogis kamien" was soviel wie Gottesstein (bog = Gott, kamien = Stein) bedeuten würde. Denkbar ist jedoch auch, dass die Silbe bus für Büßen in einem christlichen Verständnis steht. Möglicherweise kommt die Silbe aber auch vom mittelniederdeutschen buhsen, was für schwellen, rauschen stehen würde und die Lage des Steins vor der Küste beschreiben würde.
Der Stein wurde schon in der Bronzezeit als Kultstätte genutzt, davon zeugen kleine Aushöhlungen auf der Oberseite des Findlings. Er stellt einen sogenannten Näpfchenstein dar. In späteren christlichen Zeiten soll ein Kreuz aus Metall auf dem Buskam befestigt gewesen sein.
Der Buskam ist Gegenstand mehrerer Sagen und Überlieferungen. So sollen sich in der Walpurgisnacht dort Hexen versammeln und ihre Tänze abhalten. Nach einer anderen Überlieferung ist der Buskam ein Adebarstein aus welchem der Adebar die kleinen Kinder holt. Auch wird berichtet, dass die vor Mönchgut häufig gesehenen Seejungfern auf dem Stein tanzen.
Angeblich soll in Göhren auch der Brauch bestanden haben, dass Hochzeitsgesellschaften mit Booten zum Buskam fuhren und dort einen Reigentanz tanzten. Angesichts der auch schon bei geringeren Windstärken vorkommenden Überspülungen des Steins, erscheint diese Überlieferung eher unwahrscheinlich. Auch ist der Buskam nur schwer mit einem Boot zu erreichen, da sich landseitig weitere Steine dicht unter der Wasseroberfläche befinden.

Auf Grund von unberechenbaren Wasserstrudeln am Findling ist das Anschwimmen untersagt. Heute ist der Buskam ein beliebter Rastplatz für Möwen und Kormorane.



Der Findling Nardevitz

2. Findling Nardevitz

Volumen: 104m³, davon 71m³ oberirdisch
Masse: 281t
Ort: 400m nordöstlich von Nardevitz





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Der Findling Nardevitz, auch Großer Stein von Nardevitz genannt, ist einer der größten Findlinge Norddeutschlands. Er liegt etwa 400m nordöstlich von Nardevitz, einem Ortsteil der Gemeinde Lohme. Wenn man Nardevitz in Richtung Blandow verlässt, sieht man linker Hand auf dem Feld eine Gestrüppinsel, in der sich der größte Stein der Insel und ursprünglich auch ganz Deutschlands verbirgt: der große Stein von Nardevitz. Sein Volumen wird auf 104m³ geschätzt, was einer Masse von 281t entspricht. Der oberirdisch messbare Teil hat ein Volumen von 71m³. Der Findling Nardevitz ragt mehr als 3m aus dem Erdreich. Damit ist er, abgesehen vom Buskam, der vor Göhren in der Ostsee liegt, der größte Findling auf Rügen, und somit eine besondere geologische Sehenswürdigkeit.
Da der Findling Nardevitz lange Zeit für die Gewinnung von Baumaterial benutzt wurde, wird heute angenommen, dass er einst dreimal so groß war. Auf dem Stein sind deutliche Spuren zu erkennen, die auf eine damals geplante, noch weitergehende Zerstörung des Findlings hinweisen. Dieser Findling soll ursprünglich so riesig gewesen sein, dass auf seiner Oberfläche mühelos ein Vierspänner wenden konnte. 1854 wurde der Inhalt des Steines durch Hagenow nur auf ca. 40 Quadratmeter geschätzt. Später wurden die Findlinge von Rügen neu vermessen und berechnet, so steht er in Schmidt`s "Die größten Findlinge Rügens" mit 104m³. Heute besteht der "Erratische Block", was verirrter Block heißt, mit seinen 281 Tonnen nur noch zu ca. einem Drittel. Durch das intensive Bearbeiten des Feldes droht er immer mehr zu versinken. In den vergangenen Jahrhunderten wurden aus dem Findling große Brocken als Baumaterial abgesprengt. Nachweislich diente dieser große Block schon 1854 als "Steinbruch" für die Herstellung von Denkmälern. Bevor es das Dynamit gab, versuchte man es durch Einbringen von Holzpflöcken, die mit Wasser getränkt, Stücken abplatzen ließen, oder durch Einschlagen von Rinnen, in die Lederbänder gelegt wurden und mit dem selben Prinzip Stücke aus dem sauren, mittelkörnigen Granit brachen. Nicht jeder Versuch brachte den gewünschten Erfolg. So wurde zweimal erfolglos versucht, die Preußensäulen in einem Stück aus dem Granit zu sprengen. Auch in die Nardevitzer Straße wurde von ihm Material eingebaut und der Berliner Streinrestaurator Carlo Wloch konnte nachweisen, das eine Toreinfahrt in Quoltitz ebenfalls aus diesem Material gearbeitet wurde.



Der Findling Blandow

3. Findling Blandow

Volumen: 65m³, davon 54,5m³ oberirdisch
Masse: 175t
Ort: Am Strand der Tromper Wiek bei Blandow





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Der Findling von Blandow gehört zu den 10 größten Findlingen auf Rügen. Er ist bei Blandow (OT westlich Lohme/Rügen) am Strand in ca. 200m Richtung Ost im Wasser zu finden. Auf Grund seiner Größe ist er dort leicht zu orten.



Der Findling Siebenschneiderstein

4. Findling Siebenschneiderstein

Volumen: 61m³, davon 32,5m³ oberirdisch
Masse: 165t
Ort: am Gellort, 600m nördlich vom Kap Arkona





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Der Siebenschneiderstein (Söbenschniedersteen) liegt etwa 30m vom Kliff des Gellort entfernt am Ostseestrand, ca. 600m nördlich vom Kap Arkona. Er hat eine Masse von 165t und ein Volumen von 61m³ und gehört, wie zirka 20 weitere Findlinge, zu den gesetzlich geschützten Geotopen auf der Insel Rügen. Der Stein ist zwar nicht der größte Findling auf Rügen (das ist der Buskam mit 600m³), aber er markiert doch als viertgrößter Findling Rügens den nördlichsten Punkt der Insel und damit Mecklenburg Vorpommerns.
Bis zur Wende 1989 traf sich an diesem nördlichsten Punkt der DDR am 21. Juni jedes Jahres eine Gruppe von Leuten, um die Sommersonnenwende zu feiern. Diese Treffen hatten mit der Zeit die Form eines kleinen Volksfestes angenommen, auch wenn es sich nur um etwa 20 Personen handelte.



Der Findling Schwanenstein

5. Findling Schwanenstein

Volumen: 60m³, davon 54m³ oberirdisch
Masse: 162t
Ort: 100m östlich des Hafens von Lohme im Wasser





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Der Schwanenstein, am Lohmer Strand, gehört mit seinen 162t Gewicht und einer Größe von 60m³ Rauminhalt zu den größten sichtbaren Geschiebesteinen auf der Insel Rügen. Er wurde 1829 erstmals erwähnt und hat durch seine 90%ige Sichtbarkeit unter den Findlingen in der Rangordnung den 1. Platz.
Auf der Westseite ist der Findling von einer großen Kluft durchzogen, die durch Frostsprengung entstanden ist und irgendwann eine größere Platte von dem Stein lösen wird.

Die Sage
Auf Rügen werden die kleinen Babys von Schwänen oder vom Adebar gebracht. Es versteht sich von selbst, dass es im Sommer der Adebar und im Winter natürlich der Schwan ist, der die Babys bringt. Und bis dahin waren die Kinder im Stein verborgen.




Der Findling Uskam

6. Findling Uskam

Volumen: 41m³, davon 40,5m³; oberirdisch
Masse: 110t
Ort: 100m nördlich des Sassnitzer Kurplatzes im Wasser





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Der Findling Uskam wird auch Klein Helgoland genannt, was auf eine ähnliche rötliche Färbung des Findlings wie die Felsen auf Helgoland zurück zu führen ist. Er liegt auf dem Weg vom Hafen Sassnitz in Richtung Kreideküste, ca. 200m hinter dem Kurplatz in einer Entfernung von 15m im Wasser.
Er war in früheren Zeiten durch einen Steg mit dem Ufer versehen, dieser wurde jedoch immer wieder im Winter durch das Eis der Ostsee zerstört. Heute kann man nur noch die Befestigungspunkte auf dem Stein erkennen.



Der Findling Jastor

7. Findling Jastor

Volumen: 34m³, davon 32,5m³ oberirdisch
Masse: 91t
Ort: an der Zufahrt zum Fährhafen Sassnitz / Mukran





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Der Findling Jastor ist an der Zufahrt zum Fährhafen Sassnitz in Mukran zu finden. In Richtung Fährhafen liegt er rechter Hand am Straßenrand.
Er wurde bei den Bauarbeiten des neuen Fährhafens für Sassnitz gefunden und später an seinen heutigen Standort gebracht.



Der Findling Quoltitz

8. Findling Quoltitz

Volumen: 27m³, davon 14,5m³ oberirdisch
Masse: 73t
Ort: ca. 1km nordöstlich der Wüstung Quoltitz gegenüber dem Wasserwerk rechts am Bach entlang




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Beim Quoltitzer Opferstein handelt es sich um einen Granit mit großen Feldspäten. Sein Volumen beträgt etwa 27m³, woraus sich ein Gewicht von 73t errechnen lässt.
Er repräsentiert ein prähistorisches Denkmal, an dem unterschiedlich alte Kulturen ihre Spuren hinterlassen haben:
- von dem Teile in slawischer Zeit für Mühlensteine ausgesprengt wurden, Negative einiger Mühlensteine
- Bronzezeit: zahlreiche kleinen Schälchen auf der Oberseite
- Mittelalter: eine große Querrille, die von dem Versuch zeugt, den Findling zu spalten



Der Findling Jasmund

9. Findling Jasmund

Volumen: 27m³, davon 21m³ oberirdisch
Masse: 73t
Ort: NP Jasmund, am Ufer zwischen
Kollicker Ort und Kollicker Bach




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Er ist am Fuß der Kreideküste im Nationalpark Jasmund, zwischen Kollicker Ort und Kollicker Bach zu finden.

Länge: 5,10m, Breite: 4,00m, Höhe: 2,50m, Umfang: 13,70m

Er ist um 1970 aus der Kliffwand gefallen.




Der Findling Möwenstein

10. Findling Möwenstein

Volumen: 27m³, davon 13,5m³ oberirdisch
Masse: 73t
Ort: bei Tankow auf Ummanz
direkt hinter dem Deich im Vogelschutzgebiet
Nationalpark Vorpommersche Boddenlandschaft



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Der Möwenstein ist ein durch die Gletscher der Eiszeit aus dem Bereich der heutigen Insel Bornholm nach Süden transportierter Findling. Er befindet sich auf der Insel Ummanz im Westen Rügens im Nationalpark Vorpommersche Boddenlandschaft. Dort sind Findlinge relativ selten, die Meisten liegen im Osten der Insel Rügen.
Der Stein ist durch Bohrlöcher beschädigt und es sind Folgeschäden durch Frostsprengung zu befürchten. Der als Naturdenkmal gesetzlich geschützte Block aus Syenogranit Hammergranit ist beim Landesamt für Umwelt, Naturschutz und Geologie unter der Nummer G2 91 erfasst. Bei einem Umfang von 15,0m hat er ein Volumen von ca. 13,5m³. Der Möwenstein liegt im Vogelschutzgebiet direkt am Deich bei Tankow und ist von der der Aussichtsplattform für die Vogelbeobachtung schwach auszumachen. Der direkte Zugang ist jahreszeitlich nach den Naturschutzvorschriften beschränkt.



Der Findling Svantekahs Sehenswert auf der Insel Rügen ist auch der Findling Svantekahs.
Dieser Findling ist ein ca. 18 Kubikmeter großer Stein, sein Name Svantekahs bedeutet im Altslawischen "Heiliger Stein".
Zu finden ist der Svantekahs nach einer 2 km Wanderung vom Hafen Glowe aus direkt am Ostseestrand nordwestlich von Ruschwitz. Die Eiszeit hat ihn dort hinterlassen und ist seit jeher ein beliebtes Motiv, das Maler und Fotografen fasziniert.
Das einstige Rittergut Ruschvitz unweit der nördlichen Steilküste des Jasmund ist einer jener Orte, an denen der Freibeuter Klaus Störtebeker geboren sein soll.