Mystische Steine

Sagenstein und Opferstein an der Herthaburg und dem Herthasee

Die Herthaburg am Herthasee Es gibt mystische Orte auf der Insel Rügen von denen sich Menschen immer wieder ganz besonders magisch angezogen fühlen. Der Sagenstein und der Opferstein in der Nähe der Herthaburg und der Herthasee im Nationalpark Jasmund gehören dazu.

Ludwig Gotthard Kosegarten, Pfarrer von Altenkirchen, deutete einen Befund bei Krakow in der Nähe von Bergen 1782 so:
„Diese schauervolle Gegend liegt eine halbe Stunde von Bergen. Sie ist ganz mit Dornbüschen bedeckt, durch die man sich nicht ohne Mühe den Weg zu den Grabhügeln bahnt - Längliche Vierecke, etwa zehn Schuh tief in die Erde gegraben, die Wände mit gehauenen Steinen ausgesetzt, und bedeckt mit einem einzigen Stein von ungeheurer Größe, der oben völlig glatt und in der Mitte zuweilen eingeschnitten ist, so daß diese Grabmale auch zu Opfersteinen scheinen gedient zu haben, worauf man den gefallenen Helden die Gefangenen schlachtete“.

Der Sagenstein Bei dem so genannten Sagenstein in der Nähe der Herthaburg handelt es sich um einen interessanten Stein, dessen Eindrücke als Fuß eines Erwachsenen, eines Kindes und eines Hasen interpretiert wurden. Die dazugehörige sagenumwobene Geschichte handelt von einer Jungfrau, die angeblich mit dem Teufel im Bunde stand. Bei einer sogenannten Reinheitsprobe erscheint ein Kind als Engel und geht mit der Frau über den Stein. Der dritte Fußgänger über den Stein ist der Teufel in Gestalt eines Hasen.
Die Sage erklärt dieses folgendermaßen:
Als noch der Hertha-Dienst auf der Insel bestand, war unter den Priesterinnen eine die sich besonders durch Jugend und Schönheit auszeichnete. Diese hatte heimlich ein Liebesbündnis mit einem fremden jungen Ritter, der sie allnächtlich im Walde erwarte. Der Hohepriester der Göttin hatte aber Kunde erhalten, dass eine der Jungfrauen ihn hintergehe, und als keine die Schuld bekennen wollte, führte er sie alle hinaus an den Stein und ließ eine nach der anderen mit entblößten Füßen darüber schreiten. Als nun die Schuldige den Stein betrat, blieb zum Entsetzen aller die Spur ihres eigenen und eines kleinen Kinderfußes darauf zurück. Jetzt war ihre Schuld offenbar und der Priester stürzte die junge Sünderin von der Höhe der Stubbenkammer ins Meer; aber die mitfühlende Göttin ließ sie sanft hernieder gleiten in die Arme ihres Geliebten, der dort mit einem Schiffe ihrer harrte.
Der Opferstein

Im Unterschied zum Sagenstein ist der sogenannte Opferstein mit der angeblichen Blutschale wahrscheinlich im 19. Jahrhundert bewusst als Sehenswürdigkeit für die Touristen an seine heutige Stelle gebracht worden. Immer wieder wurde seit dieser Zeit die rinnenartige Aushöhlung in einem der Steine auch rot angestrichen, um sie als Opferrinne zu kennzeichnen. Bei der sogenannten Blutschale, die angeblich zum Auffangen des Blutes diente, handelt es sich um einen Mahlsteintrog, der auch extra für die Touristen an diesen Ort gebracht wurde.

Den Reisenden erzählten einst Kinder an diesem Ort die zu den Steinen gehörenden Geschichten und verdienten sich so ihr Taschengeld. So die Geschichte der Opfersteine, wie sie der Rügenforscher Alfred Haas im Jahr 1920 überlieferte:
"In der Nähe der Herthaburg liegt ein großer Felsblock, welcher im Munde des Volkes Opferstein heißt. Auf ihm sollen ehemals Menschenopfer dargebracht sein, man weiß aber nicht mehr genau, ob der Hertha oder einer anderen heidnischen Gottheit. Der zu opfernde Mensch wurde, nachdem auf dem Wall der Herthaburg ein feierlicher Opferumgang gehalten worden war, mit dem Rücken in die ausgehöhlte Fläche des Steines gelegt, so dass sein Kopf über die obere Kante desselben hervorragte. Wenn dann der Kopf vom Rumpfe getrennt war, floss das Blut in der an der anderen Seite des Steines befindlichen und noch jetzt sichtbaren Blutrinne ab und wurde in einem ausgehöhlten Steine aufgefangen, welcher sich gleichfalls noch am Fuße des Opfersteines befinde. An die Stelle, wo das Blut von dem Steine abfloss, soll sich niemals Moos ansetzen."

Der Opferstein Quoltitz

Der Opferstein von Quoltitz

Ein anderer Fund in der Nähe des inzwischen untergegangenen Ortes Quoltitz wurde von seinem Amtskollegen dem Pfarrer von Bobbin, Frank, um 1800 so gedeutet:
„Westlich von den Quoltitzer Bergen auf Rügen und zwar am Fuße derselben mitten in einem tiefen weiten Thale, welches ein erhabener Hügelring und niedrige Gesträuche einschließen, findet man einen großen gewiß uralten Opferstein - eine denkwürdige Reliquie des frommen Wahnes unserer Vorältern. Es ist ein roher Granitblock. Nicht weit von dem einen Ende desselben ist quer über in den Rücken eine breite tiefe Furche eingemeißelt, welche als eine ordentliche Rinne das dampfende Blut der über diesem Steine geschlachteten Opfertiere fast bis zur Erde herableitete, wo der Priester alsdann solches in geweihten Schalen auffing und aus dessen Farbe und Beschaffenheit die Geschichten der Zukunft las. Eiskalte Schrecken rieselten durch meine stockenden Adern, das Mark rührte sich fühlbar in meinen innersten Röhren und ich floh diese Ansicht.“